Ende der 1920er Jahre machte die Konkurrenz der Kraftomnibusse der Südharz-Eisenbahn sehr zu schaffen. Die Beförderungsleistungen im Personenverkehr sanken – besonders auf der Zweigstrecke von Brunnenbachsmühle nach Sorge und Tanne.

Die 1925 und 1928 angeschafften großen Dampflokomotiven waren mit nur einem oder zwei Personenwagen bespannt unwirtschaftlich.

Die Betreiberin der Südharz-Eisenbahn, die Centralverwaltung für Secundairbahnen Herrmann Bachstein in Berlin entschloss sich daher, den Verkehr durch Einsatz eines Triebwagens zu rationalisieren.

Für die ebenfalls von ihr betriebene Osterwieck-Wasserlebener Eisenbahn im nördlichen Harzvorland hatte sie einen Personenwagen zu einem ersten Triebwagen, den VT 01 (VT = Verbrennungstriebwagen) umgebaut. Die Industrie konnte damals noch keine überzeugenden Angebote für solche Fahrzeuge machen.

Zuerst wurden die Pläne für das Fahrzeug ausgearbeitet. Der Gepäckraum trennte die beiden Personenabteile vom Motorraum und sorgte für Wärme- und Lärmschutz. Das Fahrzeug erhielt je einen Führerstand an jedem Fahrzeugende.

Nun entstand auf Basis des Rahmens eines Personen-Post-Gepäckwagens anfang 1931 ein für die damalige Zeit hochmoderner dieselelektrischer Triebwagen – der VT 02.

Nach einigen Modifikationen am Rahmengestell konnte der hölzerne Wagenkasten montiert werden.

Dieser wurde außen mit Metallplatten verkleidet und erhielt so das Gesicht des ersten jemals im Harz eingesetzten Triebwagens.

Der Dieselmotor stammte von der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN). Dieser lieferte die elektrische Energie für den Motor. Die gesamte Elektrik stammte von der AEG aus Berlin.

Der Motor wurde auf einem beweglichen Schlitten montiert. Eine Stirnseite des Fahrzeugs konnte leicht abgenommen werden – und so der Motor für Reparatur- und Wartungszwecke leicht herausgezogen werden. Der Motorentyp war von MAN besonders für den Einsatz in U-Booten konstruiert worden – bewährte sich aber auch im Harzer Triebwagen. Ein ähnliches Modell trieb die Nebelhornbahn bei Oberstdorf an.

Eine Probefahrt brachte den Triebwagen auch auf den Brockengipfel, den er mühelos bezwang. Begleitet wurde die Fahrt auch von Vertretern der AEG.

Das Fahrzeug war in der Lage, Güterwagen mitzunehmen und verfügte über ein Packabteil mit Schiebetür. So konnte es viele Dampfzugleistungen ersetzen und massiv Betriebskosten einsparen. Nur selten musste es in die Werkstatt – meist zu den vorgeschriebenen Untersuchungsarbeiten. So befand die Centralverwaltung alsbald, dass das Fahrzeug seine Investitionskosten schon nach wenigen Jahren erwirtschaftet hatte.

Einige Zugleistungen erbrachte der VT 02 allein. Manchmal gab man ihm einen Personenwagen bei und bei Bedarf wurde noch ein Packwagen für den Gepäck- und Stückgutverkehr angehängt.

Nur selten hatte der VT 02 wie hier am „Knicking“ in Wieda einen so langen Güterzug am Haken.

Das Fahrzeug versah seinen Dienst bis zur Betriebseinstellung 1962 und half noch im Jahr 1963 beim Abbau der Strecke.

Dabei verunglückte er durch einen Zusammenprall und wurde daraufhin verschrottet.

Letztlich war es eine unheimlich mutige Entscheidung ohne jede Erfahrung mit Triebwagen auf Schmalspurbahnen im Gebirge den VT 02 zu bauen. Er war der erste Triebwagen im Harz. Die Nordhausen-Wernigeröder Eisenbahn und die Gernrode-Harzgeroder Eisenbahn beobachteten den Triebwageneinsatz auf der Südharz-Eisenbahn genau und orderten wenig später selbst Triebwagen bei der Industrie. Einen Eigenbau vor Ort durch eigenes Werkstattpersonal wagte keine Bahngesellschaft im Harz mehr.

Das Fahrzeug zeigt die Fähigkeiten der Bachsteiner in der Konzeption eines solchen Fahrzeugs und die hohe Kunstfertigkeit der Monteure in der Braunlager Werkstatt.