Hüttenwesen
Die Gründung Braunlages liegt im Dunkel der Geschichte. Sie hat aber wohl mit dem Vorkommen von Eisenerz und dem Betrieb einer Eisenhütte im Tal der Warmen Bode zu tun.
Die erste Erwähnung Braunlages findet sich in zwei Urkunden aus dem Jahre 1227. Die ersten beurkundet, dass der Vogt zu Goslar, Ritter und Bürger Giselbert, daselbst ein Hospital begründet und es dem Deutschen Ritterorden überträgt. Es ist mit diversen Gütern ausgestattet, die in einer Liste aufgeführt sind. Es findet sich darin der Eintrag „silva qucßdam et casa in Brunla“.
Die zweite Urkunde datiert vom 25. August 1227. In ihr bestätigt König Heinrich VII. das von Vogt Giselbert in Goslar gegründete Hospital. Er verleiht diesem seinen Schutz. Abermals ist die Ortsbezeichnung „silva quondam et casa in Brunla“ zu finden.
Eine weitere Urkunde von 1234 wird vom Hildesheimer Bischof Conrad von Hildesheim ausgefertigt. Sie erwähnt die Dotierung des Hospitals mit Gütern. Es findet sich der Begriff „qucedam in Brunenlo“.
Diese Urkunden bezeugen, dass Ritter Giselbert dem Hospital ein Waldstück und eine Erzhütte in Brunla oder Brunenlo geschenkt hat.
Es ist also schon für das Jahr 1227 von einer Erzhütte auszugehen, die über das notwendige Nutzungsrecht in einem Waldbezirk verfügte. 1253 erwähnt das für die Harzregion bedeutende Regensteinsche Güterverzeichnis lediglich von einer Holzmark Brunenlo und erwähnt kein Hüttenwerk und damit auch kein Nutzungsrecht an der Forst. Dafür beschreibt das Verzeichnis die Grenzen sehr genau.
So ist einerseits von einer westlich der Bode gelegenen „Holzmark Brunenlo“ auszugehen und andererseits vom Wurmberg und dem ihm vorgelagerten Hütteberg auf der Ostseite der Warmen Bode wo die Hütte am Wurmberg mit der dazu gehörenden Holzstätte Ramse erwähnt wird.
Auf die Erzverhüttung an dieser Stelle weist ein Stadel (gemauerter Herd zum Rösten von Eisenerz) hin. Er ist als Grenzmerkmal bei der Beschreibung der Holzmark Brunenlo genannt.
Wann daraus ein nennenswerter Ort entstand, ist kaum mehr festzustellen, fehlen doch dazu weitere Quellen. Es wird aber davon ausgegangen, dass dies spätestens im 15. Jahrhundert erfolgt sein muss.
Fricke’s berichtet, dass im Jahre 1602 die erste Kirche gebaut wurde, also schon eine größere Siedlung vorhanden sein musste. Bald darauf wurde auch der erste Richter eingesetzt.
Quellen berichten, dass die ersten Hüttenwerke in Braunlage eingegangen waren und im Jahre 1561 durch den Gräflich-Blankenburgischen Rat Hyronimus Pathe auf eigene Kosten wieder aufgebaut wurden.
Danach wird berichtet, dass Mathias von Veltheim zwei Hüttenwerke bis 1587 in Pacht hatte. Er gab sie dann an den Grafen Botho zurück.
Im Jahre 1595 wurden sie durch Graf Martin an Heinrich Grobe und Kaspar Beyer verpachtet. Später sind noch andere Werke in Betrieb gewesen. Zahlreiche Gruben waren zur Erzgewinnung angelegt, so im Steinfeld, vor dem Hasselhof, am Pfaffenstieg, unter der Dr. Vogeler-Straße, in der Marktstraße (aufgefunden beim Bau des neuen Postgebäudes), in der Herzog-Wilhelm-Str. (Töllner’sches Grundstück) und am Hütteberg.
Der 30 jährige Krieg (1618-1648) brachte wie vielerorts auch in Braunlage dem Wirtschaftsleben und in Braunlage insbesondere dem Hüttenwesen einen starken Einbruch. Um das Jahr 1700 wird leldiglich noch von einen Hochofen und zwei Hammerhütten berichtet.#
1720 schreibt Amtmann Wackerhagen als damaliger Pächter des Eisenhüttenwerkes von einer großen Teuerung. Aus dem Schriftsatz geht auch hervor, dass in Braunlage zu damaliger Zeit 78 Häuser Brauberechtigung hatten, dazu 8 Einwohner mit Häusern ohne Braugerechtsame und 73 Häuslinge (Einwohner ohne eigenen Grundbesitz) vorhanden waren.
Der Niedergang des Hüttenbetriebes setzte sich weiter fort. Im Jahre 1725 wurde der Betrieb des Hochofens eingestellt, 1766 folgte die Stilllegung der Schmiede als metallverarbeitender Bereich und 1796 hörte der Betrieb des Hüttenwerkes ganz auf.
Für Braunlage bedeutete dies eine existenzbedrohende wirtschaftliche Krise.
Forstwirtschaft
Die Forstwirtschaft war über Jahrhunderte eine wichtige Erwerbsquelle für unseren Ort.
Sie ermöglichte mit ihren Holzvorkommen das Hüttenwesen, später die Anlage der Glashütte und das Entstehen der großen Braunlager Sägewerke Fuchs und Buchholz sowie einiger kleinerer Betriebe wie der Holzwollefabrik Klettke.
Noch heute haben die Forsten rund um Braunlage eine wirtschaftliche Bedeutung.
Mit dem Waldsterben, das in den 1980er Jahren im Harz sichtbar wurde und ab 2018 durch extreme Trockenheit in zwei aufeinander folgenden Sommern zu einem flächenhaften Absterben des Fichtenwaldes führte, steht die Forstwirtschaft gegenwärtig vor großen Herausforderungen und systemischen Umwälzungen, deren Wurzeln und Ursachen auch in den Methodiken der Forstwirtschaft der Vergangenheit liegen.
Viehwirtschaft
Aufgrund seiner Höhenlage kann in und um Braunlage kein Getreide angebaut werden. Zu beachten ist dabei, dass die Baumgrenze im Harz gute 1.200 m tiefer liegt als in den südlicher gelegenen Alpen und so hier ein Klima vorherrscht, das einer Höhenlage von ca. 1.200 m in den Alpen entspricht. Zudem ist das Klima im Harz rauher als in der Alpenregion ob seiner nördlichen Alleinlage. Die auf dem Brocken gemessenen Wetterrekorde können sich mit denen der Zugspitze durchaus messen.
Für die Braunlager bedeutete dies, auf Weidewirtschaft zu setzen. Einerseits, um für das eigene Auskommen Nahrung zu gewinnen, andererseits, um Waren zu haben, die man in Osterode gegen das im Harzkornmagazin für die Versorgung des Oberharzes gelagerte Getreide einhandeln konnte.
Noch bis in die 1960er Jahre trieben die Braunlager ihre Rinder in die Waldweide, wo ein Hirte auf die Tiere gemeinsam mit seinem Hütehund Acht gab. Der Hütehund war ein sogenannter „Harzer Fuchs“, eine speziell für die Hüteaufgaben gezüchtete Harzer Hunderasse.
Tatsächlich weideten die Tiere im Sommer in den Wäldern, was eigenartig klingen mag. Doch es hatte einen handfesten Hintergrund: Das Gras auf den Wiesen benötigte man, um die Tiere mit dem geernteten Heu auch in den langen harzer Wintern versorgen zu können.
Industie
Heute mag es eigenartig erscheinen, bei einem Ort wie Braunlage auf eine industrielle Vergangenheit zu verweisen. Doch begann die Braunlager Geschichte – wie oben bereits erwähnt – mit einem Hüttenwerk.
Mit dem Ende des Hüttenwerkes zwischen 1826 und 1796 hatte Braunlage seine bedeutendste Industrie verloren.
Doch schon 1758 mit der Gründung des Blaufarbenwerks an der heutigen B27 im Westen Braunlages an der Waldmühle sollte ein neues Kapitel in der industriellen Entwicklung aufgeschlagen werden.
1836 folgte die Eröffnung einer Glashütte des Kaufmanns Carl Röhrig aus Wernigerode im Norden Braunlages. Er betrieb zu jener Zeit eine weitere Glashütte im abgelegenen Jakobsbruch oberhalb von Schierke, die er alsbald zugunsten des Braunlager Betriebes gänzlich einstellte.
Weiter gründeten sich eine Reihe von Sägwerken, von denen jene der Gebrüder Buchholz und der Familie Fuchs die größten am Ort waren.
Mit der Eröffnung der Südharz-Eisenbahn wurde der Braunlager Industrie eine neue wirtschaftliche Grundlage eröffnet. Sie brachte auch die industrielle Einrichtung des Granitsteinbruchs am Wurmberg sowie die Gründung eines weiteren Steinbruchsbetriebes am Königskopf mit sich. Der Granitsteinbruch war zuvor nur für den lokalen Bedarf in kleinem Maßstab betrieben worden.