15.08.1899: Ein sehr warmer Sommertag: Eröffnung der Südharz-Eisenbahn
Am 15.08.1899 wurde die Hauptstrecke der Südharz-Eisenbahn von Walkenried über Wieda hinauf nach Braunlage eröffnet. Am 23.08.1899 folgte die Zweigstrecke vom Bahnhof Brunnenbachsmühle bei Braunlage über Sorge nach Tanne, worüber eine Verbindung zur Harzquer- und Brockenbahn sowie an die Harzzahnradbahn Blankenburg-Tanne hergestellt wurde.
Gütertransport und Fremdenverkehr blühten auf. In Braunlage entstanden binnen kurzer Zeit zahlreiche Hotels und als zweites Sanatorium jenes von Dr. Barner. Das Sägewerk Fuchs entwickelte sich zur größten Kistenfabrik Deutschlands. Ohne die Bahn undenkbar.
Allerdings war die Südharz-Eisenbahn nur eine Meterspurbahn, so dass Güter entweder umgeladen werden mussten oder die breiteren Fahrzeuge der Regelspur wurden auf Rollböcke aufgesetzt und weitertransportiert.
Die Südharz-Eisenbahn war stets eine Privateisenbahn im Besitz der Centralverwaltung für Secundairbahnen Herrmann Bachstein, Berlin und ging nie in die Betriebsführung der Deutschen Reichsbahn über.
Zusammen mit der Selketalbahn, der Harzquerbahn und der Brockenbahn bildeten die drei Privateisenbahnen ein über 160 km langes Meterspurnetz, das den Harz überspannte.
Schon im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts machten Buslinien den Harzer Eisenbahnen starke Konkurrenz. Zunächst nur im Sommer, alsbald aber das ganze Jahr über.
1925 und 1928 wurden größere Dampflokomotiven beschafft, um besonders den gewachsenen Güterverkehr bewältigen zu können.
Zug mit Lok 56 oder 57 bei Braunlage
So baute die Südharz-Eisenbahn den VT 02 in eigener Werkstatt in Braunlage – einen dieselelektrischen Triebwagen.
1945 verlor die Bahn durch die Innerdeutsche Grenze ihre Zweigstrecke nach Sorge und Tanne und damit wichtiges Verkehrsgebiet und Hinterland.
Es verblieb die Reststrecke von Walkenried nach Braunlage.
Im September 1962 fuhr der letzte Personenzug, der letzte Güterzug verkehrte im Jahr 1963. Die Bahn musste sich der übermächtigen Konkurrenz des Straßenverkehrs ergeben. Bis 1964 wurden die Gleise abgebaut.
VT 02 mit Güterzug in Braunlage
Noch heute gibt es für den kundigen Beobachter viele bauliche Reste der einstigen Bahnlinie – auch in und um Braunlage.
So sind noch einige Brücken erhalten – so am Relexa Hotel (Brücke des Anschlussgleises zur Röhrig’schen Glashütte). Ebenso der Lokschuppen auf dem alten Bahnhofsgelände oberhalb der Supermärkte auf einer Aufschüttung . Die Promenade vor dem Museum ist im weiteren Verlauf Richtung Elbingeröder Straße die ehemalige Bahntrasse zum Güterbahnhof Wurmberg.
Halbfertig modernisierter VT 07 vor dem Lokschuppen in Braunlage