Die Geschichte der Kamelfichte:
Etwas abseits vom Außengelände des Museums im Kurteich befindet sich das Denkmal für die „Kamelfichte“, die bis in die 1980er Jahre am Wanderweg zum Achtermann stand und als knorriges Naturdenkmal weithin als besondere Landmarke bekannt war. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts war sie Gegenstand vieler Ansichtskarten.
Die auf felsigem Grund gewachsene Fichte muss in jungen Jahren mehrfach durch Wind und Schnee abgenickt worden sein, fand jedoch immer wieder einen Weg, um empor zu wachsen. Sie wies – ähnlich wie ein Kamel oder genauer wie das eurasische Trampeltier – zwei Höcker auf. Daher stammt der Name „Kamelfichte“.
In den 1960er Jahren erreichte die Kamelfichte ein kritisches Alter, musste sodann durch Metallstützen am Leben erhalten werden. In den 1980er Jahren starb der Baum dann ab, bis nur noch der Baumstumpf vorhanden war. Danach musste auch dieser entfernt werden.
Die Erinnerung an diesen so besonderen Baum hält das von Helmut Fricke erstelle originalgetreue Abbild des Baumstumpfes wach, das im Kurteich anlässlich des 100. Geburtstages des Heimatmuseums im Jahr 2016 aufgestellt wurde.
Das Denkmal:
Der gebürtige Braunlager Helmut Fricke bekam die Idee zu dem Denkmal auf einer Wanderung zum Achtermann am 30.09.2010, als er nur noch im tieferen Wurzelbereich Reste des einst so bekannten Baumes vorfand.
Er beschreibt die Motivation für die Erstellung des Denkmals wie folgt:
Auf dem damaligen Rückweg zum Königskrug kam mir die Idee: Rekonstruktion dieser einzigartigen Fichte! Besonders im Hinblick auf J. G. von Langen, der indirekt meinen Berufsweg bestimmte, stellte ich mir diese Aufgabe.
So nennt das große von-Langen-Denkmal im oberen Kurpark Braunlages unter anderem die Gründung der fürstlichen Spiegelglashütte 1744 in Grünenplan (OT von Delligsen) im Kreis Holzminden als seine Leistung, die auf Anordnung des reformfreudigen Herzogs Karl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel erfolgte.
Das war wegweisend für meine berufliche Zukunft: Nach Abschluss des Ingenieur-Studiums lernte ich in dem bekannten Grünenplaner Werk „Deutsche Spezialglas AG“ während 20 Jahren die Welt des Glases kennen, um mit dem Wissen und neuen Ideen im Jahre 1987 in Delligsen eine eigene Firma zur Entwicklung und Fertigung von Panzergläsern gründen zu können.
Wenn dann zur Zeit meiner Firmengründung die finanziellen und technischen Probleme und Anforderungen einander drängten und kein Ausweg erkennbar war, half der Aufstieg zum Achtermann. Er bot stille Weite und Freiheit zur Problemlösung.
Der Anblick der Kamelfichte zeigte mir deutlich: Große Schwierigkeiten sind überwindbar. So wie diese Fichte auf abweisendem, felsigen Untergrund ihren Weg fand, dazu durch Schnee oder Sturm noch zweimal abbrach, und dennoch zu einem lebensfähigen starken Baum heranwuchs.
Die Rekonstruktion der Kamelfichte folgt meinem Harzer Lebenskreis mit Einschulung – Achtermann – Kamelfichte – von Langen – Glashütte und Berufsweg.
Deshalb möchte ich meiner gefühlten Heimat Braunlage etwas zurückgeben: Die Kamelfichte