Achtung! Auch dieser für Kinder verfasste Text enthält Begriffe von staatlicher Gewalt und Terrorherrschaft einer deutschen Diktatur. Lesen Sie zuerst selbst den Text, bevor Sie entscheiden, ob Sie Ihren Kindern den Audiokommentar vorspielen möchten. Alternativ können Sie versuchen, die Grenze in sanfteren Worten zu erklären.
Hallo. Du fragst Dich sicher, was so ein hoher Zaun hier vor unserem Museum soll?
Bis zum Jahr 1989 – vielleicht waren Deine Eltern da noch nicht einmal geboren – oder noch ganz jung – war unser Land – also Deutschland geteilt in zwei Staaten.
Grund dafür war ein von Deutschland begonnener und am Ende verlorener Krieg von 1939 bis 1945. Im Osten gab es die Deutsche Demokratische Republik – kurz DDR. Im Westen bestand die Bundesrepublik Deutschland.
Viele Menschen wollten die DDR nach ihrer Gründung verlassen. Man konnte dort nicht frei wählen, nicht frei reisen und nicht frei sagen, was man dachte und zu kaufen gab es viele Sachen auch nicht. Fabriken, Straßen, Häuser, ja ganze Städte waren immer mehr kaputt und vielerorts war es einfach alles nur grau. Kaum noch zu retten. Es fehlte zuletzt an fast allem.
Damit nicht alle Bürger der DDR weglaufen, baute man eine immer stärker gesicherte Grenze. Mit Zäunen, Fahrzeugsperren, Hundelaufanlagen, Minenstreifen (Minen sind kleine Bomben im Boden, die hochgehen wenn man drauftritt), Spurensicherungsstreifen und einigen Jahren sogar Selbstschussanlagen, die Menschen, die zu nah an den Zaun gingen schwerstens verletzen konnten. Eigentlich heute nicht vorstellbar. Aber so ein Staat war die DDR. Auf den Brocken durfte überhaupt niemand – außer Soldaten. Eine Betonmauer umfasste den gesamten Gipfel. Der höchste Berg mit der tollen Aussicht einfach verboten. Ist schon sehr irre – oder?
1989 öffneten andere Länder des Ostens ihre Grenzen – und DDR-Bürger reisten nun über diese Länder in den Westen. Der Ärger der Bürger im Osten wurde immer lauter. Montags versammelten sich die Menschen in den Straßen, um zu demonstrieren. Das war sehr mutig von ihnen, denn normalerweise wurden Demonstranten einfach verhaftet und weggesperrt.
Im November 1989 sah sich die Regierung der DDR gezwungen, die Grenze zwischen Ost und West zu öffnen. Die Menschen lagen sich in den Armen. Familien, die sich Jahrzehnte nicht oder nur selten sehen durften, waren wieder zusammen.
Schnell riss man die verhassten Sperranlagen weg – die Türme, von denen Soldaten Flüchtende entdecken sollten ebenso wie den über 1.300 km langen Streckmetallzaun.
Auch 2 km von Braunlage entfernt trennte die Grenze über viele Jahre die Menschen – so z.B. zwischen Braunlage im Westen und Elend im Osten.
Damit das nicht alles in Vergessenheit gerät und wir uns immer daran erinnern, wie frei wir in unserem Land sind und dass das nicht unbedingt selbstverständlich ist, haben wir einen kleinen Teil des Zauns zu uns ans Museum geholt.
Nun weißt Du, warum hier ein hoher Metallzaun steht. Eine schreckliche Geschichte – mit einem guten Ende.
Du kannst Dir die Grenze auch heute noch ansehen – im Grenzlandmuseum Sorge nicht weit von Braunlage. Da steht noch ein Beobachtungsturm und Zäune und vieles mehr.
Du kannst Dir auch mit Deinen Eltern den Animationsfilm „Fritzi – Eine Wendewundergeschichte“ ansehen, der die Innerdeutsche Grenze zum Thema hat.
Grenzmuseum Sorge mit Beobachtungsturm („B-Turm“) und Zaunanlagen sowie Kolonnenweg aus Betonplatten